Von denen, die schon einmal in Vietnam waren, sagen die meisten, dass sie nirgendwo freundlichere Menschen angetroffen haben als in diesem geschundenen Land. Und der allerfreundlichste ist Ihr Reiseleiter, der Sie nach Ihrem Nachtflug von Frankfurt 1 frühmorgens am Flughafen Hanoi 2 zum Frühstück einlädt. Es gibt die Morgenspezialität aller, eine brüllend heiße Nudelsuppe mit Hühnchenfleisch. Die gibt Kraft, und Kondition brauchen Sie auch, denn Ihr Hotel La Siesta Classic liegt mitten im historischen Viertel der 36 Gassen. Sie müssen nicht alle durchmachen, aber die Erfahrung lehrt, wer einmal angefangen hat, kommt so schnell nicht davon los.
Wasserpuppentheater (© Claudia Exner / Chamäleon)
Aber das war erst die Ouvertüre, sonst werden Sie am Ende nur von der Suppe erzählen. Die fünf Innenhöfe des Literaturtempels, Weltkulturerbe und Hauptheiligtum Vietnams. Die rote The-Huc-Brücke über den See des zurückgegebenen Schwertes. Die tausend Jahre alte Einsäulenpagode und das Ethnologische Museum für die zwölf Prozent der Bevölkerung, die aus 53 verschiedenen Volksstämmen zusammengewürfelt sind, das ist für Hanoi 3 schon ziemlich viel. Aber wir verlassen den Ort nicht kampflos: Beim Wasserpuppentheater stehen die Akteure bis zur Hüfte im Wasser und lassen an meterlangen Stöcken mystische Figuren und feuerspeiende Drachen kämpfen. Angeheizt von den kratzigen Tönen einer einsaitigen Kastenzither. Heute Abend zittern Sie mit.
Dschunke inmitten der Kalksteininseln (© Orchid Cruises / Chamäleon)
Es ist die nobelste Art, durch ein Weltnaturerbe zu schippern. Die elegante Dschunke Orchid Cruise hat Kabinen mit bodentiefen Fensterfronten, damit die märchenhafte Wasserlandschaft der Halong-Bucht 4 5 selbst an Ihrem Bett noch vorbeiziehen kann. In dem unüberschaubaren »Reich des untertauchenden Drachen« mit seinem Labyrinth aus fast 2.000 bewaldeten Hütchen nehmen wir den Kreuz- und Querkurs zur Insel Cat Ba. Nationalpark und Trung-Trang-Höhle gehören dazu, ebenso wie Seepferdchen, die Echte Karettschildkröte und der endemische Gecko.
Bäuerin bei der Reisernte (© Handspan Travel / Chamäleon)
Der Name ist etwas irreführend, aber wenn man gleich mehrere Buchten hat, in denen dem Namen nach der Drache untertaucht, muss eine Unterscheidung her. Also heißt eine der faszinierendsten Landschaften Vietnams »Trockene Halong-Bucht«, obwohl sie gar nicht trocken ist. Wo sich die Kleinstadt Ninh Binh 6 7 unter riesige Zuckerhutberge duckt, durch die sich Flussläufe mit kanaldeckelgroßen Seerosenblättern winden, nehmen wir erst das Fahrrad zur Jadegrotte und danach das Bambus-Sampan für eine gluckernde Schleichfahrt durch die Halong-Bucht der Reisfelder.
Van Long Naturreservat (© Wing Chan, Emeralda Resort Ninh Binh / Chamäleon)
Bei den 54 Ethnien Vietnams haben wir eine vergessen, von denen es nur noch 200 Exemplare gibt, den Delacour-Schwarzlangur in kurzer Hose. Zumindest sehen die typisch weißen Hüften und Oberschenkel am ansonsten pechschwarzen Körper so aus, als hätte er sich nur halb angezogen. Aber sagen Sie nichts, wenn wir ihn finden. Mit diesem Kuriosum bedankt sich Ihr vietnamesischer Reiseleiter für Ihr Interesse an seinem Land und reicht Sie weiter an den kambodschanischen Kollegen. Dazwischen liegt Ihr Flug von Hanoi nach Siem Reap 8. Nicht weit vom größten sakralen Bauwerk der Menschheit liegt ein kleines Kapitel aus 1.001 Nacht: das zum Verlieben paradiesische Montra Nivesha.
Würgefeige in Ta Prohm (© Kurt Heller-Lindt / Chamäleon)
Als die Tempelanlange Ta Prohm aufgegeben wurde, schlug die große Stunde der Natur. Die Wurzeln gigantischer Feigenbäume haben den Abbruch übernommen. Demütigend einerseits, bewundernswert andererseits. Wie alle Tempel von Angkor 9, und spätestens nach Preah Khan, dem größten buddhistischen Tempelkomplex der angkorianischen Zeit, werden Sie wissen, was wir meinen. Eine traditionelle Fußmassage bringt Körper und Seele wieder in eine mittlere Stimmung, denn Sie brauchen frische Energie für die »Zitadelle der Frauen« im Weltkulturerbe Banteay Srei, das als eines der schönsten Meisterwerke der Khmer gilt. Die Reliefs der mythischen Wächter, Schutzwesen und Girlanden sind auch tausend Jahre danach noch unfassbar schön. Das reicht dann für heute, sonst war die Fußmassage für die Katz.
Schwimmendes Dorf am Tonle Sap (© Karin Mellina / Chamäleon)
Der Staatstempel Bayon mit je einem Turm für die 54 Provinzen des Königreiches, die Bildwerke an der Terrasse des Leprakönigs, die Elefantenterrasse, das weise Lächeln der 200 gewaltigen Steingesichter – sie machen unsere Fahrradtour durch die letzte Hauptstadt des glorreichen Angkor-Imperiums zum Adrenalintrip. Er bleibt nicht der einzige, denn in Kompong Khleang wachsen die Häuser aus dem See. Jedenfalls so lange, bis im Tonle Sap 10 der Wasserspiegel sinkt und die krummen Stelzen zum Vorschein kommen. Ob wir das erstaunliche Dorf per Boot oder zu Fuß bezwingen, hängt also von der Jahreszeit ab. Der dritte Adrenalinschub ist zweifellos der heftigste. Angkor Wat 11, das monumentalste sakrale Bauwerk der Menschheit und Weltkulturerbe. Wer hier sein Herz nicht schlagen fühlt, der hat keins.
Königspalast in Phnom Penh (© Andreas Haberlag / Chamäleon)
Wäre schön, wenn Sie nicht farbenblind sind, und eine Sonnenbrille würde auch nicht schaden. Derart gewappnet besuchen wir das traute Heim der kambodschanischen Königsfamilie. Die Silberpagode mit ihren 5.000 Edelmetallfliesen, der lebensgroße goldene Buddha mit seinen 9.584 Diamanten, der Tempel des Smaragd-Buddha, die hochedlen Skulpturen aus der Angkorzeit und der farbenstrotzende Garten, wo die Königseltern im Orchideenpavillon ihren Nachmittagstee zu nehmen gedenken. Sieht aus wie heile Welt, aber die Kambodschaner fürchten immer noch die Rückkehr der Roten Khmer. Im Genozid-Museum Tuol Sleng wird diese traumatische Ära aufgearbeitet, bei der zwei Millionen Männer, Frauen und Kinder auf bestialische Weise umgebracht wurden. Und trotz dieser unsäglichen Gräuel ist in Phnom Penh 12 13 die Lebensfreude zurück. Eine ganz besondere steht Ihnen bevor: Ihre Kreuzfahrt auf der Victoria Mekong.
Reispapier trocknet in der Sonne (© Exotissimo Travel / Chamäleon)
Er beginnt in Ganasongdou auf dem Norddach des Tanggula-Gebirges im Kreis Zadoi des autonomen Bezirks Yushu der chinesischen Provinz Qinghai. Von da an geht’s bergab und nach 4.909 Kilometern ist er dort, wo wir jetzt sind. Lebensspender für vier Länder und am Ende zerbröselt er in einem 39.000 Quadratkilometer großen Delta, das ist der Mekong 14 15 16. Mittendrin Inseln, Obstplantagen und Handwerker-Dörfer, wo Möbel gezimmert, Schnaps gebrannt und Reisbonbons gekocht werden. Auf den schwimmenden Märkten kommen alle zusammen. Boot an Boot, turmhoch beladen und schaukelnd, dass man sich fragt, wann wohl die ersten Händler über Bord gehen. Sie gehen nicht, aber wir: auf Schleichfahrt durch eine Dschungellandschaft aus Wasserpalmen und Menschen, die winken. So gleiten wir durch ein Land unter Wasser, wo das Chaos eine unsichtbare Ordnung hat. Aber denken Sie nicht, es könne keine Steigerung geben. Saigon kommt.
Vespatour durch Saigon (© Flora Klebbé / Chamäleon)
Vom geschundenen Land war schon die Rede. Und in der Tat kann man sich nur wundern, dass die Vietnamesen ihr Lächeln wiedergefunden haben. In den Tunneln von Cu Chi mit ihrem endlosen System an unterirdischen Stollen, hatten die Vietcong ihre Kommandozentrale. Ganze Städte mit Schulen und Lazaretten sind in den Jahren des Vietnamkrieges dort unten entstanden. Für uns ist es ein Park der Erinnerung und Mahnung. Die unmittelbarste Form, Saigon 17 18 zu begreifen, ist eine Vespa-Tour durch die hell erleuchtete Nacht. Sie würden keine drei Meter weit kommen, also nehmen Sie hinter Ihrem Fahrer Platz und los geht der Ritt Ihres Lebens. Was die Nacht nicht hergab, beleuchtet der Tag: Notre Dame, die sensationelle Hauptpost, der Wiedervereinigungspalast, die typischen Garküchen, der Ben-Thanh-Markt. Die Geschichte eines Landes, das Sie nach dieser Reise lieben werden, so heiß wie die Nudelsuppe am ersten Tag.
 
Vietnamesischer Tempel (© Exotissimo Travel / Chamäleon)
Irgendwann nach Ihrer Landung in Frankfurt 19 werden Sie gefragt, wie es war, und dann erzählen Sie bestimmt von Drachen, die untergetaucht waren. Von Schauspielern, die bis zur Hüfte im Wasser stehen. Von Wurzeln, die einen Tempel sprengen. Von Dörfern, die im See schwimmen. Von einem traumatischen Massenmord und einem Höllenritt durch die helle Nacht. Wenn dann einer mitleidig flüstert: »Jetzt spinnt er total«, schieben Sie es auf uns. Sagen Sie einfach, Chamäleon sei schuld.
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